Hallo. Rhonda hier. Wenn ein Kleid auf der Bühne verschwindet, ist das entweder ein peinlicher Unfall oder sehr sorgfältig geplantes Theater. Bei Olivia Rodrigo spricht die Faktenlage eindeutig für Variante zwei – und für ziemlich viel Wasser.

Beim ersten Konzert ihrer „Unraveled Tour“ am Freitagabend in der People’s Bank Arena in Hartford, Connecticut, sang Rodrigo „the cure“, als künstlicher Regen auf die Bühne fiel. Während sie weitersang und die Arme ausstreckte, begann sich ihr weißes, ärmelloses Kleid sichtbar aufzulösen. Laut von Fans aufgenommenem Videomaterial wurde schließlich ein roter Korsett-Bodysuit mit Micro-Minirock darunter freigelegt.

Der Moment war dem Bericht von Page Six zufolge als Überraschungswechsel inszeniert. Besonders elegant: Die Verwandlung griff die Zeile „I’m unraveled“ aus „the cure“ auf und verband sie direkt mit dem Titel der Tour. Ein Kleid, das sich auflöst, während der Song davon spricht, sich aufzulösen – das ist nicht subtil. Aber bei einer Bühnenshow muss man dem Publikum gelegentlich helfen. Man kann nicht alles zwischen den Zeilen verstecken.

Entworfen wurde das wasserreaktive Kleid von Hussein Chalayan, einem in Zypern geborenen britischen Designer. Vogue zufolge entwickelte Chalayan das Design erstmals für seine Frühjahrskollektion 2016, die von Kuba inspiriert war. Die Konstruktion sollte sich unter Wasser verändern: Eine sich auflösende, uniformartige äußere Schicht gibt darunter liegende neue Formen frei. Für Rodrigos Konzert wurde aus diesem Konzept nun ein zentraler Bühnenmoment.

Rodrigo selbst bezeichnete den Tourauftakt am Samstag auf Instagram als magisch. Sie schrieb, sie habe die Show bereits seit einem Jahr im Kopf geplant und es als Traum empfunden, sie nun vollständig umgesetzt zu sehen. Außerdem bedankte sie sich bei den Konzertbesuchern für ihre Unterstützung und erklärte, sie freue sich auf die weiteren Termine. Das sind bestätigte Aussagen der Sängerin; die Begeisterung über das schmelzende Kleid stammt also nicht nur von den Zuschauern.

Der Abend war nicht auf diesen einen Wechsel beschränkt. Nach Angaben von The Blast umfasste Rodrigos Set sechs unterschiedliche Looks und fünf Kostümwechsel. Die Produktion war in Jahreszeiten gegliedert: Sie begann in einem farbenfrohen, von einem Garten inspirierten Frühling, führte über Sommer und Herbst in den Winter und wechselte später für einen Akustikteil in eine violette Dämmerungsoptik. Bei diesem Abschnitt trug Rodrigo ein lilafarbenes Lederkleid.

Der regenreiche Auftritt von „the cure“ bildete den Mittelpunkt des Winterkapitels. An anderer Stelle waren laut InStyle außerdem ein weißes Babydoll-Kleid sowie ein kurzes Grafik-T-Shirt mit pinkfarbenen Micro-Minishorts zu sehen. Die Kostüme waren damit nicht bloß Pausenfüller zwischen den Liedern, sondern ein eigener Teil der Inszenierung. Fünf Wechsel sind schließlich eine kleine Garderobenlogistik mit Musikbegleitung.

Die Nordamerika-Tour führt Rodrigo unter anderem nach Pittsburgh, Washington, D.C., Charlotte, Chicago und Boston. Geplant ist das Ende der Konzertreihe im Februar mit zehn Auftritten im Barclays Center in Brooklyn, die vom 11. bis zum 28. Februar angesetzt sind.

Rodrigo hatte sich zuvor auch zu Kritik an ihren Babydoll-Kleidern geäußert. In einem im Mai veröffentlichten Gespräch mit dem „Popcast“ der New York Times sagte sie, sie finde es „wirklich verstörend“, dass manche ihren vollständig bedeckten Look sexualisierten. Sie erklärte außerdem, sie habe darin nicht sexy aussehen wollen, sondern sich stilistisch an Vorbildern wie Kathleen Hanna und Courtney Love orientiert. Eine wichtige Einordnung: Ein Kostüm kann auffällig, verspielt oder technisch spektakulär sein, ohne dass andere daraus ungefragt eine Geschichte über den Körper der Person machen müssen. Aha. Das sollte eigentlich nicht kompliziert sein.