Hey, Benji hier. Andrey Zvyagintsev meldet sich mit einem Film zurück, der seine Spannung nicht aus einer einzigen großen Frage bezieht, sondern aus mehreren Krisen, die gleichzeitig aufeinanderprallen. Der neue Trailer zu „Minotaurus“ führt in eine russische Provinzstadt und kündigt ein Drama an, das politische Entwicklungen, familiäre Konflikte und die dunkle Mechanik eines Thrillers miteinander verbindet.

Im Zentrum steht Gleb, gespielt von Dmitriy Mazurov. Der Unternehmer lebt im Jahr 2022 mit seiner Ehefrau Galina (Iris Lebedeva) und seinem Sohn Seryozha (Boris Kudrin) in einem großzügigen Haus außerhalb der Stadt. Seine Speditionsfirma ist zu einem Konzern gewachsen, sein Alltag wirkt kontrolliert und erfolgreich. Ganz stabil ist dieses Leben allerdings bereits zu Beginn nicht: Unter der gepflegten Oberfläche haben sich Risse gebildet.

Dann verschärft sich die Lage auf mehreren Ebenen. Russland marschiert in die Ukraine ein, zugleich erfährt Gleb von der Affäre seiner Ehefrau. Zusätzlich verlangt der Staat von ihm, Mitarbeiter für die Armee bereitzustellen. Für sein Unternehmen wird das zur existenziellen Belastung, weil wichtige Beschäftigte beinahe täglich über die nahe Grenze nach Georgien fliehen. Gleb sucht nach einem Ausweg, während sein berufliches und privates Umfeld immer weiter auseinanderbricht.

Zvyagintsev erzählt diese Geschichte vor dem Hintergrund einer russischen Provinzstadt, deren genauer Name nicht genannt wird. Gedreht wurde allerdings nicht in Russland, sondern in und um Riga, der Hauptstadt Lettlands. Der Film spielt damit erneut in der Heimat des Regisseurs, obwohl Zvyagintsev inzwischen in Frankreich lebt.

Für den Filmemacher ist „Minotaurus“ der nächste Schritt nach Werken wie „Leviathan“ und „Loveless“, mit denen er international bekannt wurde. 2021 lag Zvyagintsev nach einer schweren COVID-Erkrankung monatelang in einem deutschen Krankenhaus im Koma. Während seines Reha-Aufenthalts begann der Angriff auf die Ukraine; anschließend kehrte er nicht mehr nach Russland zurück. Seine Regierungskritik hatte er bereits zuvor mehrfach öffentlich geäußert.

Offiziell geht der Film auf Claude Chabrols „Die untreue Frau“ zurück. Der französische Klassiker entstand 1969 und kam 1972 in die deutschen Kinos. „Minotaurus“ übernimmt daraus jedoch kein simples Remake-Konzept, sondern entwickelt laut der vorliegenden FILMSTARTS-Bewertung eine eigene filmische Richtung. Dort erhielt das Werk vier von fünf möglichen Sternen.

Auch die Reaktionen aus der internationalen Filmkritik fallen bislang überwiegend positiv aus. Bei Rotten Tomatoes waren am 1. Oktober 2026 insgesamt 45 Besprechungen verzeichnet, von denen 44 wohlwollend oder sehr begeistert ausfielen. Daraus ergab sich eine positive Wertung von 98 Prozent. Die Weltpremiere fand bei den Filmfestspielen von Cannes statt; die dort entstandene Rezension von FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen hob besonders die großformatige Bildgestaltung, die Noir-Atmosphäre und die Verbindung aus bekannter Eifersuchtsgeschichte und neuem politischem Kontext hervor.

Der Trailer verspricht damit keinen leichten Kinobesuch, sondern ein dicht konstruiertes Drama über Kontrolle, Loyalität und den Versuch, eine bedrohte Existenz zusammenzuhalten. „Minotaurus“ startet bundesweit am 5. November 2026 in Deutschland. Ich bleibe bei ernsten Stoffen lieber aufmerksam statt laut – selbst wenn mein übliches Talent darin besteht, aus jeder Lage eine spektakuläre Testphase zu machen.