Ein kleines Metallkügelchen, ein ziemlich großer Umweltschaden: In der Europäischen Union ist ein Verbot von Bleischrot auf den Weg gebracht. Die neue Regelung betrifft neben den EU-Mitgliedstaaten auch den Europäischen Wirtschaftsraum und Nordirland. Für Natur und Gesundheit ist das ein wichtiger Schritt – allerdings einer, bei dem die Ziellinie erst nach mehreren Übergangsfristen erreicht wird.

Die Verordnung tritt 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft. Erste Pflichten kommen danach vergleichsweise schnell: Kennzeichnungen müssen nach sechs Monaten greifen, Hinweispflichten nach 18 Monaten. Das eigentliche Verwendungsverbot außerhalb von Feuchtgebieten wird jedoch erst sieben Jahre nach dem Inkrafttreten wirksam. In Feuchtgebieten gilt bereits seit Februar 2023 ein EU-weites Bleischrot-Verbot.

Warum der Stoff so problematisch ist, lässt sich an der Funktionsweise von Schrot erklären. Eine einzelne Patrone kann Dutzende oder sogar Hunderte kleine Bleikugeln über ein großes Gebiet verteilen. Auf Feldern, in Wäldern sowie in Seen und Flüssen bleiben sie in der Umwelt zurück. Vögel nehmen die Kugeln unter anderem beim Fressen am Gewässergrund auf; schon ein einzelnes Projektil kann laut den vorliegenden Angaben eine Vergiftung auslösen.

Die Belastung wandert außerdem durch die Nahrungskette. Greifvögel und andere Aasfresser können Blei aufnehmen, wenn sie angeschossene oder verendete Tiere beziehungsweise kontaminierte Überreste fressen. Zu den gefährdeten Arten zählen mindestens 92 Vogelarten, darunter Wasservögel, Geier, Adler, Rabenvögel und Raufußhühner. Auch Säugetiere wie Braunbären werden als gefährdet genannt. BirdLife berichtet von rund einer Million Vögeln, die jährlich durch Blei sterben. Nach Angaben der Organisation könnte das Verbot 135 Millionen Vögel in der EU vor einer drohenden Vergiftung schützen. Zudem kann bleihaltige Munition Rückstände in Wildfleisch hinterlassen und damit ein Gesundheitsrisiko für Menschen darstellen.

Die Umweltbelastung endet nicht bei der Jagd. Durch Jagd, Sportschießen und Angeln gelangen laut BirdLife jedes Jahr mehr als 44.000 Tonnen Blei in die Umwelt. Blei ist ein hochgiftiges Schwermetall, das sich in Böden, Gewässern und Nahrungsketten anreichern kann. Bleifreie Alternativen sind nach den Angaben im Ausgangsmaterial verfügbar und werden in mehreren EU-Staaten bereits seit längerer Zeit eingesetzt. Lilly findet: Wenn eine ungiftige Lösung schon im Werkzeugkasten liegt, muss man nicht unbedingt weiter mit dem alten Problem hantieren. Das ist eine Einordnung, kein zusätzlicher Fakt.

Der Weg zur nun beschlossenen Regelung war allerdings nicht geradlinig. Am 25. Juni 2026 stimmten die Mitgliedstaaten im REACH-Regelungsausschuss einem Vorschlag der EU-Kommission zu. Das Gremium entscheidet auf Grundlage wissenschaftlicher Gutachten über Beschränkungen gefährlicher Chemikalien. Zwei Einwände aus den Fraktionen ECR und PfE drohten das Vorhaben zu bremsen. Im Oktober 2026 wies das Europäische Parlament diese Einwände zurück. Nach Ablauf der Einspruchsphase im Parlament und im Rat kann die Beschränkung nun offiziell verabschiedet werden.

NABU und BirdLife sprechen von einem Teilerfolg. Ursprünglich hatte die EU-Kommission im Februar 2025 einen weitergehenden Entwurf vorgelegt. Dieser sah ein Verbot von Bleischrot und Flintenlaufgeschossen nach drei Jahren vor. Für Büchsengeschosse waren je nach Kaliber Fristen von 18 Monaten oder zehn Jahren vorgesehen. Im weiteren Verfahren wurden diese Pläne abgeschwächt. Übrig bleibt nun die siebenjährige Übergangsfrist für Bleischrot außerhalb von Feuchtgebieten; Büchsengeschosse, Kurzwaffenmunition und Flintenlaufgeschosse sind nicht mehr Teil der Regelung.

Gerade darin sehen die Umweltverbände die nächste offene Baustelle. Projektile können zwar mengenmäßig weniger Blei eintragen als Schrot, verursachen nach den vorliegenden Angaben aber besonders weit oben in der Nahrungskette Schäden. Genannt werden unter anderem Sekundärvergiftungen bei Greifvögeln und Aasfressern wie dem seltenen Bartgeier. Auch Braunbären können durch kontaminierte Überreste gefährdet werden. NABU und BirdLife wollen sich deshalb weiterhin für Beschränkungen bei diesen Munitionsarten einsetzen.

Für die Umsetzung sind nun die nationalen Behörden zuständig. Gefordert werden klare Informationen und eine gute Verfügbarkeit bleifreier Alternativen, damit Jägerinnen, Jäger und Sportschützinnen und Sportschützen umsteigen können. Die Mitgliedstaaten und ihre Länder dürfen außerdem strengere Regeln erlassen. In Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Baden-Württemberg ist bleihaltige Büchsenmunition bereits vollständig verboten; Niedersachsen untersagt sie zumindest an und über Gewässern. Andere Bundesländer haben Teilverbote, etwa in Staats- und Landesforsten, Nationalparks oder Naturschutzgebieten. Sieben Jahre sind eine lange Zeit – selbst für eine Schnecke mit sehr sorgfältigem Terminkalender. Lilly sagt das mit einem vorsichtigen Blick auf den Kalender, nicht als amtliche Bewertung.