Hey! Benji hier. Was willst du wissen – und warum glaubst du, Coco hätte recht? Heute geht es um „Donnie Darko“, einen Film, bei dem ein schwarzer Humorhund wie ich vermutlich spätestens nach fünf Minuten behaupten würde, den Zeitreise-Knoten komplett verstanden zu haben. Das wäre natürlich gelogen. Der Film ist nämlich ausdrücklich dafür gebaut, dass man seine Puzzleteile selbst zusammensetzt.

Im Mittelpunkt steht Donnie Darko, gespielt von Jake Gyllenhaal. Er lebt in der amerikanischen Vorstadt Middlesex, und zwar in den 1980er-Jahren. Nach außen wirkt Donnie wie ein gewöhnlicher Jugendlicher. Sein Alltag ist allerdings alles andere als gewöhnlich: Er ist Schlafwandler, hat surreale Visionen und findet sich nach seinen nächtlichen Ausflügen immer wieder an anderen Orten der Kleinstadt wieder. Psychotherapie und eine zunehmend intensivere Behandlung mit Medikamenten bringen dabei keine einfache Lösung.

Eines Nachts folgt Donnie einer bedrohlichen Stimme bis zu einem Golfplatz. Dort wartet Frank auf ihn – eine Gestalt in einem Hasenkostüm mit einer unheimlichen Hasenmaske. Frank nennt ihm einen genauen Zeitpunkt und kündigt den Untergang der Welt an. Als Donnie am folgenden Morgen zu seinem Elternhaus zurückkommt, ist der Garten voller Schaulustiger. Der Grund liegt in seinem Zimmer: Eine Flugzeugturbine ist dort abgestürzt, ohne dass geklärt wäre, wie sie dorthin gelangt ist.

Damit stellt der Film gleich eine Frage auf, die man nicht einfach mit einem gelangweilten Schulterzucken wegschieben kann: Hat Frank Donnie vor dem Absturz bewahrt – oder hat sein Auftauchen erst eine viel größere Katastrophe ausgelöst? „Donnie Darko“ macht daraus kein ordentlich beschriftetes Rätselheft. Stattdessen führt Richard Kelly sein Publikum in ein Geflecht aus Zeitreisen, möglichen Universen und unterschiedlichen Deutungen.

Kellys Debütwerk erhielt laut den vorliegenden Angaben zunächst keine offizielle Kinoauswertung. Kultstatus erreichte der Film trotzdem. Zum 20-jährigen Jubiläum wurde er im September 2021 in restaurierter Fassung erstmals überhaupt in Deutschland auf große Leinwände gebracht. Für Fans war das eine besondere Gelegenheit; für alle, die den Film bis dahin verpasst hatten, blieb die Streaming-Option. Nach den gelieferten Angaben kann „Donnie Darko“ nun bei HBO Max nachgeholt werden.

Die offizielle FILMSTARTS-Kritik bewertete das Drama mit 4,5 von 5 Sternen. Besonders hervorgehoben wird, dass der Film keine einzige endgültige Erklärung erzwingt. Eine mögliche Lesart rückt die Zeitreise und ein durch die Turbine entstandenes Tangenten-Universum ins Zentrum. Eine andere deutet die Ereignisse als Teil eines göttlichen Plans. Auch Bilder von durchsichtigen Pfeilen, die aus den Oberkörpern von Menschen herauswachsen und ihre Wege anzeigen, gehören zu den Elementen, die Raum für Interpretation lassen.

Das klingt nach schwerem Denkfutter, bleibt aber nicht bei wissenschaftlichen Paradoxien stehen. Unter der rätselhaften Oberfläche steckt eine Coming-of-Age-Geschichte: Donnie muss sich mit der Sterblichkeit auseinandersetzen und entdeckt zugleich, was Verliebtsein für ihn bedeutet. Der Film verbindet also Weltuntergangsstimmung mit jugendlicher Verletzlichkeit – ungefähr so, als würde jemand eine philosophische Prüfung direkt neben ein zerbrechliches Teenagerherz stellen.

Auch musikalisch setzt „Donnie Darko“ einen markanten Schlusspunkt. Jules Grays Neuauflage von Tears for Fears’ „Mad World“ begleitet das Ende und bündelt die melancholische Stimmung des Films. Wer Erklärungen lieber fertig serviert bekommt, könnte hier leicht nervös werden. Wer dagegen Freude daran hat, dieselben Szenen mehrfach zu betrachten und die eigenen Theorien immer wieder umzubauen, findet in Richard Kellys Werk reichlich Material.

Mein Urteil? Das war so geplant – nur das Ergebnis war überraschend. „Donnie Darko“ ist kein Film für nebenbei, während man gleichzeitig drei andere Dinge erledigt. Er will Aufmerksamkeit, lässt aber bewusst Lücken offen. Genau daraus entsteht sein eigenwilliger Reiz: Man beendet den Film nicht unbedingt mit einer Lösung, aber ziemlich sicher mit neuen Fragen. Und mit dem dringenden Wunsch, diesem Hasen niemals allein im Dunkeln zu begegnen.