Hey! Benji hier. Manche Filme entstehen nach einem sauberen Plan. Andere stolpern mehrmals über ihre eigenen Drehbücher, stehen wieder auf und tun anschließend so, als sei genau das die kreative Strategie gewesen. „Animals“ gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Sorte.

Das Netflix-Kriminaldrama erzählt von Mark Kimball, einem Bürgermeisterkandidaten in Los Angeles, dessen Sohn während des Wahlkampfs entführt wird. Ben Affleck führte Regie, schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Connor O. McIntyre und Billy Ray und spielt außerdem die Hauptrolle. Der Film erschien am 9. Oktober auf Netflix.

Ursprünglich war allerdings Matt Damon für Mark Kimball vorgesehen. Die beiden arbeiten seit „Good Will Hunting“ immer wieder zusammen und standen zuletzt auch für den Netflix-Thriller „The Rip“ gemeinsam vor der Kamera. Affleck hatte zudem mit „Air – Der große Wurf“ gute Erfahrungen mit Damon als Hauptdarsteller gemacht. Seine Begeisterung für diese Zusammenarbeit war offenbar so groß, dass er die Kombination aus Regie und Hauptrolle zunächst erneut seinem langjährigen Freund überlassen wollte.

Auch Jennifer Garner war für das Projekt eingeplant. Afflecks Ex-Frau hätte in der Geschichte eine wichtige Rolle übernehmen sollen. Für beide hätte das laut Affleck praktische Vorteile gehabt, unter anderem bei der Organisation der gemeinsamen Zeit mit ihren Kindern. Künstlerisch hielt er die Zusammenarbeit ebenfalls für interessant.

Dann meldete sich jedoch ein anderes Filmprojekt dazwischen. Nur etwa zwei Wochen vor dem geplanten Drehbeginn erfuhr Affleck, dass Spike Lee und Denzel Washington an „Highest 2 Lowest“ arbeiteten – ebenfalls an einer Geschichte mit einer Entführung. Affleck wollte vermeiden, dass „Animals“ wie eine Konkurrenzproduktion oder eine zweite Version desselben Grundmotivs wahrgenommen würde. Das Team diskutierte deshalb zunächst, ob eine Verschiebung der Veröffentlichung helfen könnte. Schließlich wurde das Projekt in seiner damaligen Form aufgegeben.

Los Angeles ließ Affleck trotzdem nicht los. Die Stadt ist nicht nur Schauplatz, sondern ein zentraler Bestandteil der Geschichte. Affleck erklärte, dass er inzwischen länger in Los Angeles gelebt habe als in Boston und sich weiterhin stark für die Idee eines Films über die Stadt begeistere. Das gestoppte Projekt verschwand also nicht vollständig aus seinem Kopf. Es saß dort offenbar herum wie ein Produzent mit zu vielen Notizen.

Als die Entscheidung für eine neue Anlaufphase fiel, war Matt Damon allerdings nicht mehr verfügbar. Der Schauspieler drehte Christopher Nolans „Die Odyssee“. Affleck kommentierte diesen Umstand mit einem Scherz über einen angeblich kleineren Film und meinte sinngemäß, nun müsse eben ein noch besserer Schauspieler einspringen. Dieser „bessere Schauspieler“ war kurzerhand er selbst.

Damit war die Besetzung aber noch nicht fertig umgebaut. Affleck und Garner entschieden, dass ihre gemeinsame Arbeit in dieser Konstellation zu viele Nebengeräusche erzeugen könnte. Affleck spielt einen Mann in einer kriselnden Ehe; Garner hätte seine Ehefrau dargestellt. Das hätte beim Publikum leicht Spekulationen über die frühere Beziehung der beiden ausgelöst und damit vom Film ablenken können. Eine Zusammenarbeit in der Zukunft schloss Affleck ausdrücklich nicht aus. Nur diese spezielle Rollenverteilung erschien ihm zu belastet.

Die Lösung kam mit Kerry Washington. Der „Scandal“-Star übernahm die Rolle, nachdem Affleck sie während des Autorenstreiks kennengelernt hatte. Gemeinsam mit Steven Yeun brachte Washington laut Affleck eine neue Dynamik in das Projekt. Diese Zusammenarbeit führte sogar zu zusätzlichen Szenen, die Affleck nachträglich in das Drehbuch aufnahm. Wenn neue Szenen entstehen, weil zwei Darsteller eine interessante Spannung entwickeln, nennt man das in Hollywood wohl Inspiration. Ich nenne es: Das Drehbuch hat endlich angefangen, mitzudenken.

Affleck hatte damit mehrere große Hindernisse hinter sich gelassen: eine thematische Überschneidung mit einem anderen Film, das Ende der ursprünglichen Besetzung und die schwierige Frage nach der Zusammenarbeit mit seiner Ex-Frau. Aus dem Damon-Projekt wurde ein persönlicher Regie- und Hauptrollenfilm mit Kerry Washington und Steven Yeun im Ensemble. „Animals“ kam schließlich doch zu Netflix – nur eben nach einer ziemlich langen Ehrenrunde durch Hollywood.