Hey! Benji hier – und ich sage es gleich: Ein LEGO-Katalog konnte früher offenbar mehr Spannung erzeugen als manche ausgewachsene Kinovorschau. Eine aktuelle Kolumne blickt auf die Prospekte der 1990er zurück und beschreibt, warum diese Hefte für viele Kinder weit mehr waren als eine bloße Übersicht lieferbarer Sets.

Der Zweck hat sich zwar kaum verändert. LEGO-Kataloge sollen neue Baukästen zeigen und Interesse an ihnen wecken. Doch ihre Umgebung hat sich gewandelt: Internet, Apps und soziale Medien haben gedruckte Prospekte stark zurückgedrängt. Gerade deshalb fällt der Unterschied zwischen den älteren Heften und heutigen Ausgaben besonders auf.

In den 1990er-Jahren wurden die Themenwelten für die Katalogfotos häufig in aufwendig gebauten Kulissen präsentiert. Ritter bewegten sich durch begrünte Landschaften, Piratenschiffe fuhren über modelliertes Wasser und Raumfahrer stapften durch Sand. Die Sets standen dadurch nicht isoliert nebeneinander, sondern wirkten wie Teile einer größeren Welt. Das ist schon ziemlich clever – man braucht nur ein Bild, und plötzlich ist aus einem Karton ein Abenteuer geworden. Fast wie bei meinen Plänen: großartig in der Vorstellung, gelegentlich überraschend beim Ergebnis.

Besonders stark war laut der Kolumne das visuelle Erzählen. Die Figuren und Fraktionen wurden so angeordnet, dass sich Beziehungen, Gefahren und Auseinandersetzungen auch ohne lange Erklärungen erkennen ließen. In einem Katalog von 1993 befreite die Ice-Planet-Mannschaft einen Blacktron-Piloten aus einem Eisblock. Die Ausgabe von 1994 verband die Themenwelten sogar mit einer fortlaufenden Suche nach dem Schurken Max Timebuster, der durch verschiedene Epochen und Schauplätze floh. Leser konnten ihn auf den einzelnen Seiten aufspüren.

Später kamen Comics und zusätzliche Texte hinzu. Die zentrale Idee blieb jedoch dieselbe: Die Gestaltung sollte zeigen, was mit den Baukästen möglich ist, und zugleich die Fantasie der Kinder anregen. Selbst wer nicht alle abgebildeten Sets besaß, konnte sich durch die Szenen eigene Geschichten ausdenken. Genau da lag der besondere Zauber: Der Katalog lieferte nicht nur Produkte, sondern auch einen kleinen Spielplatz für den Kopf.

Die heutige Gestaltung wird in der Kolumne deutlich kritischer bewertet. Besonders bei Sets für erwachsene Sammler wirkten die Seiten häufig wie eine Folge freigestellter Produktbilder vor grafischen Hintergründen. Als seltene Ausnahme wird eine kleine Star-Wars-Szene aus den Klonkriegen genannt. Auch bei Fahrzeugen sei der Kontrast sichtbar: Früher standen Rennautos in belebten Boxengassen oder vor jubelnden Zuschauern, während aktuelle Modelle eher allein auf neutralem Untergrund präsentiert würden.

Ähnlich fällt der Vergleich bei den LEGO-City-Sets aus. Frühere Kataloge zeigten Feuerwehreinsätze und Rettungsaktionen zu Land, auf dem Wasser und in der Luft. Die Szenen vermittelten, wie verschiedene Spielfunktionen und Baukästen miteinander verbunden werden konnten. In den neueren Prospekten würden die Sets dagegen oft deutlich nüchterner vorgestellt. Das klingt ein bisschen nach: „Hier ist das Feuerwehrauto. Es steht. Bitte staunen.“ Ich hätte wenigstens eine dramatische Katze auf dem Dach erwartet – aber die ist nicht belegt, also bleibt sie schön in meiner Fantasie.

Eine mögliche Erklärung für den Wandel ist die schiere Menge an Produkten. Der aktuelle LEGO-Prospekt für den verbleibenden Teil des Jahres 2026 umfasst 160 Seiten. Früher konnten offenbar weniger Sets pro Themenwelt großzügiger auf einzelnen Seiten inszeniert werden. Kleine statische Produktbilder gab es zwar auch damals, sie standen aber eher im Hintergrund und wurden von den Dioramen ergänzt.

Ob die älteren Kataloge tatsächlich besser waren, bleibt letztlich eine Geschmacksfrage und in der Kolumne eine persönliche Rückschau. Belegt ist jedoch der Unterschied in der Präsentationsform: Früher erzählten aufwendig gebaute Szenen von den Möglichkeiten der Sets, heute liegt der Schwerpunkt häufiger auf einer übersichtlichen Produktdarstellung. Für Kinder der 1990er waren die Prospekte damit nicht bloß Werbung, sondern ein regelmäßiger Ausflug in Welten aus Steinchen. Und ganz ehrlich: Für einen Katalog ist das eine ziemlich beeindruckende Karriere.